Samstag, 17. Januar 2009
KandidatInnen
Immer wieder spannend festzustellen, dass "die BürgerInnen" immer weniger über "die KandidatInnen" im EP wissen; und zwar je wichtiger das EP, desto weniger. Bei meiner regelmässigen Frage in Berlin, wer eigentlich Wahlkreisabgeordnete/r für Berlin in Brüssel ist, erhält man von Achselzucken über "Verheugen?" alles bis zu Wowereit. Der ist immerhin ja Europaminister, was aber auch kein Mensch weiß. Für die EP-Wahlen sicher die zentrale Frage: im Gespann Politikinhalte, Personen und Parteien spielen die Personen sicherlich die geringste Rolle. Andererseits geht's meiner Meinung nach nicht ohne Gesichter & glaubwürdige Biographien. Die Parteien sind in einer dauerhaften großen Koalition, die Inhalte abstrakt und fern, da tut es not, sich an Personen zu orientieren. Spricht für Wahlkreise, die es bis heute nicht gibt. Spricht auch für eine andere Besetzung der MdEP-KandidatInnen-Listen, die bis heute oftmals mit den Ausrangierten/ Kaltgestellten/ Altgedienten besetzt werden.

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Ich glaube ja, dass dieses fehlende Wissen (das ich übrigens auch noch habe) daher rührt,dass es schon auf nationaler Ebene für viele schwierig ist politisch interessiert zu sein. Die EU ist für viele immer noch sehr abstrakt und zu weit weg. Das schlimme an der Sache ist, das wir ohne es zu wissen "Freibriefe" verteilen, die nicht immer zu unsreren Gunsten verlaufen.

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Abend, Teleporter! "Die EU ist für viele immer noch sehr abstrakt und zu weit weg" ... das wird sie wohl notgedrungen bleiben, denn die Fragen und Verhandlungszusammenhänge sind schlicht komplexer als auf nationaler Ebene. Ein Lösung könnte ja die Reduzierung auf die großen Fragen/ strategischen Linien der Politik sein; das wäre weniger abstrakt und für die Menschen einsichtig. Allerdings überladen wir Brüssel auch wieder mit Anforderungen konkretester Art (gerade die Deutschen stehen bei der Ausformulierung europäischer Normen/ Vorgaben an erster Front). Das mit dem "Freibrief" ist (leider?) der Preis der repräsentativen Demokratie; würde wahrscheinlich ja schon helfen, wenn man/frau eine Plattform hätte, die das konkrete Abstimmungsverhalten von einzelnen MdEPs in Fragen nationaler/ regionaler Bedeutung transparent macht (ist in den USA üblich und erfolgreich).

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"Immer wieder spannend festzustellen, dass 'die BürgerInnen' immer weniger über 'die KandidatInnen' im EP wissen ... "

Was erwarten Sie?
Und welche „Wahl“ haben wir denn?
Das Europäische Parlament hat nicht einmal das Initiativrecht – daran ändert auch der mehrfach abgelehnte und in „Vertrag von Lissabon“ umbenannte EU-Reformvertrag nichts.

Wir wählen einen Abnickverein für das, was sich die Leute, die wir nicht wählen dürfen (weil sie von anderen Leuten, die wir wiederum nicht direkt in ihre Position wählen dürfen, letzten Endes bestimmt werden) im kleinen Kreis auskaspern und wenn’s um Außen- und Sicherheitspolitik geht, dann will man selbst die Leute, die wir gerade noch wählen dürfen gar nicht erst nicken lassen.

Insofern gehört schon ’ne Menge Überwindung dazu sein Kreuzchen auf den Wahlzettel zu setzen und diesem System damit einen scheinbar demokratischen Anstrich zu verleihen.

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Hi, Quallenwanze! Das mit dem Initiativrecht soll mit Lissabon ja immerhin besser werden (nebst Wahl Präsident und Haushaltsrechten); zum vollwertigen Parlament im westlichen Sinne fehlt aber tatsächlich noch ein Quäntchen Legislativrecht :-((. Aber ist das wirklich das Problem der Wahlenthaltung? Auch das Problem des "Abnickens" ist nicht wirklich ein europäisches; schaut Euch die Konjunkturpakete an, größte Einzelmaßnahmen in der deutschen Haushaltsgeschichte und das Parlament darf zusehen und im wahrsten Sinne des Wortes "abnicken". Ich bleib dabei:wir brauchen Gesichter, eine Polarisierung und eine europäische Öffentlichkeit, die den Namen verdient.

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